Vorkommen und Verwendung von Wermutkraut

Wermutkraut ist in trockenen Gegenden Europas und Asiens zu finden. Aber auch in Nordafrika sowie Nord- und Südamerika kann diese Pflanze gedeihen. Wenn von Wermutkraut gesprochen wird, ist ein bis zu einen Meter hoher Strauch gemeint, welcher silbergrau behaarte Blätter und sehr kleine, hellgelbe Blüten ausbildet. Die Blätter des Strauches zeichnen sich durch hocharomatischen Geruch aus. Vielfach wird dieser Strauch für Beifuß gehalten, jedoch handelt es sich dabei um eine kleineren Strauch mit rötlichen Blättern.

Die Verwendung von Wermut

Meist wird Wermut zur aromatischen Bereicherung von Aperitifs also appetitanregenden Getränken und Magenbittern herangezogen. In der Medizin werden die zur Blütezeit gesammelten Bestandteile des Wermuts verwendet. Zudem wird Wermut auch zur Heilung von Insektenstichen und zu langsam heilenden Wunden verwendet und kann auch zur Bekämpfung von Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl, Blähungen oder Krämpfen im Magen-Darm Bereich herangezogen werden. Auch als Tee ist Wermut sehr beliebt. Im Handel werden vor allem Teemischungen mit Wermut angeboten. In der Literatur wird angeraten, eine tägliche Dosis von bis zu vier Gramm nicht zu überschreiten. Soll frischer Tee mit Wermut zubereitet werden, sollte nicht mehr als ein halber Teelöffel Wermut mit kochendem Wasser übergossen und dieses Gemisch 10 Minuten stehen gelassen werden. Soll der Appetit angeregt werden, kann eine Tasse 30 Minuten vor der Einnahme von Speisen und verdauungsfördernd 30 Minuten nach der Einnahmen von Speisen genommen werden. Zu beachten ist, dass Wermut vor Licht geschützt und kühl aufbewahrt werden sollte.

Der wichtigste Wirkstoff

von Wermut ist das ätherische Öl namens Thujon, welches in der durch Kräuter gestützten Heilkunde Verwendung findet. Weiters findet sich in Wermut der Bitterstoff Absinthin. Thujon wird auch als Nervengift angesehen, welches bei sachgemäßer Dosierung krampflösend, desinfizierend, schweißhemmend und schmerzberuhigend wirkt. Als weitere medizinisch wirksame Bestandteile von Wermuts sind Gerbstoffe. Zu hoch dosiert oder nach zu angem Gebrauch zeigt sich der Wirkstoff als Gift.

Thujon, welches auch als Absinthol und Tanaceton bezeichnet wird, wird als Hauptgrund für das 1923 in Deutschland ausgesprochene Verbot von Abinth angesehen. In Wermutkraut ist bis zu 1,5 % ätherisches Öl enthalten, welches bis zu 80 % Thujon aufweist. Thujon gelangt bei der Extraktion von Wermutpflanzen in Absinth. Es handelt sich um eine farblose Flüssigkeit mit mentholartigem Geruch. Als farbloses ätherisches Öl ist Thujon neben Wermut auch in Rosmarin und Heilsalbei enthalten.
Erforscht wurde die Struktur von Thujon von Friedrich Wilhelm Semmler. Als Sohn eines Gutsbesitzers am 11 Mai 1860 in der Gemeinde Hochzeit, im Landkreis Arnswalde geboren, wurde er der breiten Öffentlichkeit als Chemiker und Politiker bekannt. Nach dem Besuch der Grundschule in Woldenberg und des Gymnasiums in Landberg studierte Semmler von 1880 bis 1886 Chemie an der Kaiser Wilhelms-Universität in Straßburg und der Friedrich-Wilhelms Universität in Breslau. 1887 1887 promovierte er zum Dr. phil. Semmler verstarb am 15. März 1931 auf Gut Ramin. Nach seien Forschungen siedet die Flüssigkeit bei 201 Grad Celsius. In Wasser ist Thujon unlöslich, in Ethanol, Diethylether und Chloroform gut löslich. Hoch dosiert stellt Thujon ein starkes Nervengift dar, welches imstande ist, Verwirrtheit, Halluzinationen, Psychosen und epileptische Krämpfe auszulösen. Diese Wirkung kann durch Nikotin noch verstärkt werden. Im Falle von Missbrauch kann das Denkvermögen beeinträchtigt werden.

Neueste Analysen ergaben, dass Thujon ein Isomer von Kampfer und Menthol darstellt und Ähnlichkeiten mit dem Hauptwirkstoff in Marihuana und Cannabis aufweist. Unter dem Begriff Isomere werden unterschiedliche chemische Verbindungen verstanden, welche zwar dieselbe Summenformel, jedoch unterschiedliche Strukturen aufweisen. Als Beispiel kann Zucker in unterschiedlichsten Ausprägungen genannt werden.

In Thujon konnte eine ähnliche molekulare Struktur wie der in der Cannabispflanze und in Weihrauch enthaltene Wirkstoff Tetrahydrocannabinol nachgewiesen werden. Es bestehen Vermutungen, wonach beide Substanzen einen gemeinsamen Rezeptor, also Angriffspunkt im zentralen Nervensystem ansteuern. Aufgrund von Experimenten mit Ratten konnte der Einfluss auf cannabinoide Rezeptoren lediglich in sehr hohen Dosierungen nachgewiesen werden. Bezüglich des Verhaltens der Tiere konnten in Experimenten keine relevanten Veränderungen wie Schmerzdämpfung und verstärkte Mobilität nachgewiesen werden, da Thujon im Gegensatz zu Cannabinoiden erregend und belebend wirkt. Es herrscht hierbei die weitverbreitete Meinung vor, dass es den angstlosenden, sedativen aber auch amnesischen Effekten von Drogen wie Benzodiazepinen und Alkohol entgegensteht. Seit kurzem ist zudem bekannt, dass Thujon in der Lage ist, auch an einen anderen Rezeptor, welcher für Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure reserviert ist, anzudocken. Auf diese Weise bringt das Toxin jene Nervenzellen zum Schweigen, welche die Bewegungen von Muskeln kontrollieren.

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